Welche Messenger-App solltest du verwenden?
Kurzfassung: Für die meisten Menschen ist Signal die beste Wahl – privat, kostenlos und einfach zu bedienen, mit allem, was man sich wünscht. WhatsApp ist eine gute Alltagsoption, wenn deine Kontakte schon dabei sind. Telegram ist zwar beliebt, aber in Sachen Datenschutz irreführend. Threema ist von allen am privatesten, kostet aber Geld und erfordert, dass du deine Kontakte zum Wechseln überzeugst.
Warum ist die Wahl der App wichtig?
Wenn du eine Nachricht schickst, muss sie übers Internet zum Empfänger gelangen. Unterwegs könnte sie mitgelesen werden – von der Betreiberfirma, deinem Internetanbieter oder jemandem, der das Netzwerk belauscht.
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist die Technologie, die das verhindert. Sie sorgt dafür, dass deine Nachricht auf deinem Gerät verschlüsselt wird und nur auf dem Gerät des Empfängers wieder lesbar ist. Niemand dazwischen – nicht einmal die Betreiberfirma – kann sie lesen.
Stell es dir vor wie einen Brief in einem Umschlag, den nur der Empfänger öffnen kann. Ohne Verschlüsselung ist es eher wie eine Postkarte: Jeder, der sie in die Hände bekommt, kann mitlesen.
Manche Apps sammeln auch Metadaten – Informationen darüber, mit wem du schreibst und wann, auch wenn sie den Inhalt selbst nicht lesen können. Das kann trotzdem eine Menge über dich verraten.
Die Apps auf einen Blick
| Signal | Telegram | Threema | ||
|---|---|---|---|---|
| Standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt | ✅ | ✅ | ❌ | ✅ |
| Open Source | ❌ | ✅ | Teilweise | ✅ |
| Sammelt Metadaten | ✅ Ja | Minimal | ✅ Ja | ❌ Nein |
| Telefonnummer erforderlich | ✅ | ✅ | ✅ | ❌ |
| Kostenlos | ✅ | ✅ | ✅ | ❌ (~5 € einmalig) |
| Gehört zu | Meta (Facebook) | Non-profit | Privatunternehmen | Schweizer Unternehmen |
WhatsApp
WhatsApp ist in vielen Ländern bei Weitem die meistgenutzte Messenger-App, was gleichzeitig ihre größte Stärke und der Hauptgrund ist, warum die Leute dabei bleiben – alle sind schon dort.
Nachrichten sind standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt, d. h. ihr Inhalt ist beim Übertragen privat. Das ist wirklich gut so.
Der Haken ist der Besitzer: Meta, das Unternehmen hinter Facebook und Instagram. WhatsApp sammelt eine erhebliche Menge an Metadaten – mit wem du schreibst, wie oft, zu welchen Zeiten, deinen Standort, deine Gerätedaten und mehr. Diese Daten werden im Werbe-Ökosystem von Meta geteilt. Der Inhalt deiner Nachrichten ist privat; das Bild deines Lebens, das die Metadaten zeichnen, ist es nicht.
Gut geeignet für:
- Den Kontakt mit Menschen, die schon dabei sind – was in vielen Familien und Freundeskreisen alle sind
- Gruppenchats und Sprach-/Videoanrufe
Wissenswert:
- Dein Nachrichteninhalt ist verschlüsselt, aber Meta weiß viel darüber, wie du die App nutzt
- Verknüpft mit deinem Facebook/Instagram-Datenprofil, wenn du diese Dienste nutzt
- Für die Anmeldung ist eine Telefonnummer erforderlich
💡 Wenn alle, mit denen du schreibst, schon auf WhatsApp sind und ein Wechsel nicht realistisch ist, ist es immer noch eine vernünftige Wahl. Denk nur daran: „verschlüsselt" bedeutet nicht „privat gegenüber Meta".
Signal
Signal ist der Goldstandard für private Kommunikation. Die App wurde von Grund auf mit einem einzigen Ziel entwickelt: private Kommunikation. Die Organisation dahinter ist eine Non-Profit-Organisation, die kein Geld mit Werbung oder Daten verdient.
Nachrichten, Anrufe und Videochats sind alle standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt – und im Gegensatz zu WhatsApp sammelt Signal kaum Metadaten. Signal kann nicht sagen, mit wem du wann gesprochen hast, weil die App absichtlich so entwickelt wurde, dass sie das nicht weiß.
Die App ist Open Source, d. h. unabhängige Sicherheitsexperten können ihren Code prüfen und überprüfen, ob sie tut, was sie verspricht. Das ist wichtig – deshalb ist das Verschlüsselungsprotokoll von Signal so vertrauenswürdig, dass WhatsApp und Telegram beide eine Version davon für ihre eigene Verschlüsselung verwenden.
Signal hat außerdem alles, was man von einer modernen Messenger-App erwartet: Gruppenchats, Sprach- und Videoanrufe, Fotoversand, selbstlöschende Nachrichten und Sticker.
Gut geeignet für:
- Alle, die echte Privatsphäre wollen, ohne auf Funktionen verzichten zu müssen
- Menschen, die sicher sein wollen, dass ihre Metadaten nicht gesammelt werden
Wissenswert:
- Für die Anmeldung ist eine Telefonnummer erforderlich (deine Nummer ist für andere aber nicht sichtbar, wenn du einen Benutzernamen festlegst)
- Weniger Leute nutzen Signal als WhatsApp, du musst also eventuell Kontakte einladen
💡 Signal ist die App, die wir fast jedem empfehlen würden. Sie ist kostenlos, ausgereift und macht keine Kompromisse.
Telegram
Telegram ist weit verbreitet und hat sich den Ruf erarbeitet, eine „datenschutzorientierte" Alternative zu WhatsApp zu sein. Dieser Ruf ist nicht gerechtfertigt, und es lohnt sich zu verstehen warum, bevor man die App für etwas Sensibles verwendet.
Telegram verwendet standardmäßig keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Normale Chats – einschließlich aller Gruppenchats – werden auf Telegrams Servern in lesbarer Form gespeichert. Telegram kann sie lesen. Nur „Geheime Chats", die manuell zwischen zwei Personen gestartet werden müssen, sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Die meisten Leute nutzen nie Geheime Chats; sie verwenden normale Chats, ohne zu merken, dass diese nicht privat sind.
Telegram hat durchaus nützliche Funktionen – riesige Gruppenchats, Kanäle zur Verbreitung von Informationen an große Zuschauergruppen, umfangreiches Filesharing und gute Bots. Für diese Zwecke ist die App ausgezeichnet. Als privater Messenger hält sie einer näheren Prüfung jedoch nicht stand.
Gut geeignet für:
- Das Verfolgen öffentlicher Kanäle und Communities
- Große Gruppenchats, bei denen Datenschutz keine Priorität hat
- Filesharing ohne Größenbeschränkungen
Wissenswert:
- Die meisten Chats sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt – Telegram kann sie lesen
- Geheime Chats sind verschlüsselt, aber ein optionales Feature, das nur zwischen zwei Personen funktioniert
- Wurde wegen Moderationsproblemen und zweifelhafter Datenschutzversprechen kritisiert
⚠️ Wenn dir jemand sagt, du sollst Telegram verwenden, weil es „privater" als WhatsApp sei, stimmt das für den normalen Gebrauch nicht. Bei Gruppenchats und Kanälen ist es überhaupt nicht privat.
Threema
Threema ist die datenschutzfreundlichste Option in dieser Liste. Es ist ein Schweizer Unternehmen, das dem strengen europäischen Datenschutzrecht unterliegt, und die App ist darauf ausgelegt, so wenig Daten wie möglich zu sammeln.
Für die Anmeldung ist keine Telefonnummer erforderlich – du bekommst stattdessen eine zufällige ID, was bedeutet, dass du die App völlig anonym nutzen kannst, wenn du möchtest. Nachrichten und Gruppenchats sind standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Nach der Zustellung von Nachrichten werden keine Metadaten gespeichert.
Der Nachteil ist, dass die App eine einmalige Gebühr kostet (ca. 5 €) und eine viel kleinere Nutzerbasis hat als die anderen Apps hier. Deine Familie und Freunde zum Wechseln und zur Zahlung zu bewegen, ist eine echte Hürde.
Gut geeignet für:
- Menschen mit einem echten Bedürfnis nach starkem Datenschutz – Journalisten, Aktivisten oder einfach alle, die maximale Kontrolle über ihre Daten wollen
- Nutzer, die kommunizieren möchten, ohne ihre Identität an eine Telefonnummer zu knüpfen
Wissenswert:
- Kostet Geld – wenig, aber eine Hürde für die Verbreitung
- Deine Kontakte müssen es auch haben, was den praktischen Nutzen einschränkt
Was solltest du wählen?
Für die meisten Menschen: Signal. Die App ist kostenlos, privat, ausgereift und hat alle Funktionen von WhatsApp. Die einzige Hürde ist, deine Kontakte dazu zu bringen – aber sobald sie dabei sind, gibt es keinen Grund, woanders zu schauen.
Wenn dein Umfeld auf WhatsApp festgelegt ist: Kein Problem. Deine Nachrichten sind beim Übertragen verschlüsselt, und für den Alltagsgebrauch ist das ein vertretbarer Kompromiss. Nutze es nur nicht für vertrauliche Kommunikation.
Wenn du Online-Communities und Kanälen folgst: Telegram ist dafür nützlich. Verwechsle es nur nicht mit einem privaten Messenger.
Wenn Datenschutz entscheidend ist und du bereit bist zu zahlen: Threema ist die richtige Wahl – aber du brauchst auch Kontakte, die mitmachen.
💬 Das Wirkungsvollste, was du tun kannst, ist zu Signal zu wechseln und zwei oder drei Personen einzuladen, mit denen du am häufigsten schreibst. Das verbreitet sich schnell.